Der Biber kommt zurück nach Mitteldeutschland. Dass das nicht nur ein naturschutzpolitischer Erfolg ist, sondern an vielen Orten Konflikte auslöst, zeigt sich entlang seiner Verbreitungsgrenze in Sachsen und Sachsen-Anhalt zunehmend in konkreten Fällen — vom überfluteten Wohngrundstück bis zur ausgespülten Ackerdrainage.
Eine Methode, diese Konflikte schon bevor sie eskalieren gesellschaftlich durchzudenken, ist das Planspiel Biber — eine interaktive Konfliktsimulation, entwickelt vom Politologen und BNE-Fachmann Jochen Dallmer im Umfeld der Kontaktstelle Bibermanagement im Freistaat Sachsen.
Wie das Planspiel funktioniert
Die Teilnehmenden übernehmen Rollen aus dem fiktiven sächsischen Dorf „Schönholz”: Landwirtinnen und Landwirte, einen Sportverein am Fluss, eine Naturschutzgruppe, eine Bürgervereinigung, die Bürgermeisterin, eine Vertretung des Biber-Managements. Auslöser ist die Sichtung eines Bibers im Dorf — und damit eine Bürgerversammlung, in der die unterschiedlichen Interessen verhandelt werden müssen.
- Perspektivwechsel — die zugeteilten Rollen entsprechen ausdrücklich nicht der eigenen Sicht. Ein Naturschützer spielt vielleicht den Sportverein, ein skeptischer Waldbesitzer die lösungsorientierte Bürgerinitiative.
- Kein Gewinnen, kein Verlieren — Ergebnis ist qualitativ: möglichst gute Vertretung der jeweiligen Rolle, im Idealfall eine tragfähige Einigung im Dorf.
- Verbindung von Fachwissen und Empathie — typischer Ansatz aus der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
- Mindestrahmen zwei bis drei Stunden, einschließlich Rolleneinarbeitung, Versammlung und Debrief.
Warum braucht es das jetzt?
Beim Wolfsmanagement hat ein gutes Jahrzehnt öffentlicher Diskussion eine gewisse gesellschaftliche Akzeptanz vorbereitet. Beim Biber fehlt diese Vorlaufzeit. Die Verbreitungskarte zeigt: er rückt sichtbar weiter vor — und mit ihm die Konfliktfälle. Im Landkreis Görlitz war einer der Auslöser für die Entwicklung des Planspiels ein realer Fall, in dem ein privates Wohngrundstück durch Biber-Aktivität dauerhaft überflutet wurde. Sachsens sonst beneidetes „pro-aktives Bibermanagement” greift bei privatem Wohneigentum formal nicht — was die Betroffenen mit Recht als ungerecht empfinden.
Das Planspiel will solche Auseinandersetzungen anstoßen, bevor sie juristisch und persönlich eskalieren.

Der Biber ist auch am Forsthaus Parnitz längst da: ein typischer Damm mit deutlich aufgestautem Wasser dahinter.
Unsere Beteiligung
Am 17. Juni 2026 war Stefan Reuter von der Waldbauernschule Parnitz auf einer Multiplikatorinnen- und Multiplikatoren-Fortbildung der Kontaktstelle Bibermanagement und des Naturparks Dübener Heide in Bad Düben. Inhalt: praktisches Durchspielen des Planspiels, methodische Diskussion, Anpassungsoptionen für unterschiedliche Zielgruppen — von Schulklassen bis zu Verwaltungen und Waldbesitzenden.
Der Workshop hat klar gezeigt, dass das Planspiel hervorragend zur Vorstellung von Wissensvermittlung am Forsthaus Parnitz passt: Konflikte werden nicht abstrakt erklärt, sondern in der eigenen Rolle erlebbar — gerade für die oft skeptischen Waldbesitzenden ein deutlich tragfähigerer Zugang als ein Vortrag. Wir planen, das Planspiel mittelfristig auch in Parnitz selbst anzubieten und als ein Format unserer späteren Bildungsangebote zu etablieren.
Nächste öffentliche Durchführung: 6. September 2026 in Bad Düben
Bis es bei uns soweit ist, gibt es im September die nächstgelegene öffentliche Durchführung des Planspiels — eine deutliche Empfehlung an alle, die die Methode kennenlernen wollen:
| Was | Planspiel „In Schönholz ist der Biber los!” |
| Wann | Sonntag, 6. September 2026, 14:00–17:00 Uhr |
| Wo | Naturpark Dübener Heide, Neuhofstraße 3a, 04849 Bad Düben |
| Veranstalter | Kontaktstelle Bibermanagement im Freistaat Sachsen |
| Zielgruppe | offen für alle, ab ca. 14 Jahren |
| Kontakt | Janine Meißner, bibermanagement@naturpark-duebener-heide.com, 0177 4261422 |
| Anmeldung | über die Veranstaltungsseite auf regiocrowd.com |