Das historische Jagdhaus am Forsthaus Parnitz

Forsthaus

Geschichte und neues Leben am Forsthaus Parnitz

Eine Geschichte, die weitergeht

Das Forsthaus Parnitz ist kein gewöhnlicher Ort. Tief in der Dübener Heide gelegen, blickt es auf eine bewegte Geschichte zurück — und steht heute für einen Neuanfang, der zum Standort und seiner Naturlandschaft passt wie kaum eine andere Nutzung.

Auf dem Areal stehen zwei historische Hauptgebäude: das kleine Forsthaus vorne an der Kreuzung — auch „altes Forsthaus" genannt, älter als 1906 und seit jeher Wohnhaus des Forstaufsehers — sowie das markante zweigeschossige Jagdhaus (auch „Jagdhaus Rohrberg"), das nach mündlicher Überlieferung 1906 unter der Familie Dippe entstand und seitdem das Erscheinungsbild des Ensembles prägt; es ist zugleich das Gebäude, das in den DDR-Jahren als Jugendherberge „Arthur Becker" geführt wurde. Weitere Wirtschaftsgebäude kamen in den 1930er Jahren hinzu. 1972 kaufte das Ministerium für Staatssicherheit das Gelände und richtete es als Schulungs- und Ausbildungsobjekt ein, das im Sommer parallel als Pionierferienlager diente — in den 1980er Jahren unter dem Namen „Feliks E. Dzierzynski", benannt nach dem Gründer der sowjetischen Tscheka. Das historische Forsthaus-Ensemble erzählt von dieser langen, wechselvollen Nutzungsgeschichte.

Heute bietet das Areal mit seinen erhaltenen Gebäuden eine nahezu ideale Grundlage für das, was hier entstehen soll: ein Bildungszentrum, das das historische Erbe mit einer zeitgemäßen und naturverträglichen Nutzung verbindet.

vor 1906 — Kleines Forsthaus

Ältestes erhaltenes Gebäude auf dem Gelände — Wohnhaus des Forstaufsehers

1906 — Jagdhaus

Errichtung des markanten zweigeschossigen Jagdhauses (nach mündlicher Überlieferung); prägt seitdem das Ensemble

um 1930 — Wirtschaftsgebäude

Weitere Wirtschaftsgebäude komplettieren die Anlage

1947–1968 — Jugendherberge

Nutzung als Jugendherberge in der SBZ und frühen DDR, in den 1950er Jahren unter dem Namen „Arthur Becker"

1972–1989 — MfS-Nutzung

Kauf durch das MfS 1972; ab 1973 Schulungs- und Ausbildungsobjekt, ab 1975 zugleich Pionierferienlager — in den 1980er Jahren unter dem Namen „Feliks E. Dzierzynski"; in dieser Phase entstehen zahlreiche Neubauten, darunter die heutigen Unterkunftsgebäude

bis 1994 — Schullandheim

Nutzung als Schullandheim und Ausflugsgaststätte nach der Wende; Ende der Nutzung 1994

1994–2001 — Leerstand

Rückgang der Nutzung, Teilleerstand, sukzessiver Substanzverlust der Gesamtanlage

ab 2001 — Wohnnutzung

Schrittweise Rückkehr einer dauerhaften Wohnnutzung auf dem Gelände

2024 ff. — Neuanfang

Aufstellung des Bebauungsplans „Waldbauernschule Parnitz"; Planverfahren läuft seit Juni 2025

Historisches Archiv

Vom Forsthaus-Ensemble der frühen 1900er Jahre über die MfS-Nutzung (1972–1989) und die Nachwendezeit bis heute — Dokumente, Fotos und Zeugnisse aus der Geschichte des Ortes.

Zum Archiv

Das Gelände

Ein Campus im Wald

Auf einem Areal von 5,14 Hektar entsteht die Waldbauernschule als Ensemble aus sanierten Bestandsgebäuden, Freiflächen und Waldflächen.

Hauptgebäude & Seminarräume

Das zweigeschossige Unterkunftsgebäude (Baujahr 1977, ca. 490 m²) wird mit mehreren Gästezimmern sowie Seminar-, Sanitär- und Gemeinschaftsräumen zum Herzstück der Waldbauernschule.

Historisches Forsthaus (Jagdhaus)

Das 1906 errichtete Jagdhaus (ca. 330 m²) beherbergt Büro- und Verwaltungsräume sowie Wohnraum für den Betriebsinhaber — saniert und für die neue Nutzung ertüchtigt.

Werkstätten & Garagen

Ein Garagen- und Werkstattkomplex (ca. 240 m²) sowie weitere Nebengebäude stehen für forstliche Werkstattarbeiten, Holzaufbereitung und Lagerung zur Verfügung.

Sägewerk

Eine eigene Anlage zur Holzaufbereitung, -verarbeitung und -lagerung macht die Waldbauernschule zum vollständigen Lernort: vom stehenden Baum bis zum verarbeiteten Holz.

Lehr- und Versuchswald

1,85 Hektar Waldfläche (36 % des Plangebietes) dienen als Lehr- und Versuchswald sowie als Arboretum — die wichtigste Lernfläche für alle forstwirtschaftlichen Kurse.

Grünflächen & Freiflächen

0,74 Hektar private Grünflächen mit Schulungs- und Freizeitbereich, Obstwiese und Biwakplatz — für Veranstaltungen im Freien, Zelten und waldpädagogische Programme.

Luftbild des Campus der Waldbauernschule Parnitz im Herbst — alle Gebäude des Ensembles eingebettet in die Dübener Heide

Flächenbilanz des Plangebietes

Baugebiete Gebäude, Wege, Stellplätze — fast ausschließlich bestehender, bereits versiegelter Bestand · 49 %
2,51 ha
Lehr- & Versuchswald Wald, Arboretum · 36 %
1,85 ha
Grünflächen Wiesen, Obstgarten, Biwak · 14 %
0,74 ha
Erschließung Zufahrten, Verkehrsfläche · 1 %
0,04 ha

Artenvielfalt auf dem Gelände

Eine gutachterliche Kartierung aus dem Jahr 2025 hat die Artenvielfalt des Geländes systematisch erfasst. Das Ergebnis bestätigt: Forsthaus Parnitz ist nicht nur ein historischer Ort — es ist ein lebendiger Lebensraum für viele wildlebende Tier- und Pflanzenarten mitten in der Dübener Heide.

Zwei Fledermaus-Wochenstuben

Im Dachstuhl des historischen Forsthauses befindet sich eine Wochenstube der Breitflügelfledermaus. In den Garagen wurde ein Quartier des Braunen Langohrs mit sieben Weibchen und ihren Jungtieren nachgewiesen. Beide Arten ziehen ihre Jungen hier auf — ein bemerkenswert konkreter Fund direkt in den Gebäuden.

EU-geschützte Waldtypen

Die Wälder des Geländes umfassen zwei europaweit geschützte Lebensraumtypen: den Stieleichen-Hainbuchenwald (LRT 9160) und alte bodensaure Eichenwälder auf Sandböden (LRT 9190) — beide von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung.

19 Brutvogelarten

Rotkehlchen, Zaunkönig, Kleiber, Waldlaubsänger und Stieglitz brüten auf dem Gelände — ebenso wie der bundesweit gefährdete Star und der auf der Vorwarnliste stehende Grauschnäpper. Die Waldbauernschule liegt mitten in einem aktiven Vogellebensraum.

Reptilien & Nachbarn

Zauneidechse, Waldeidechse, Blindschleiche und Schlingnatter wurden auf dem Gelände nachgewiesen. Am nahe gelegenen Buchholzbach ist zudem ein Biber aktiv — er staut das Wasser und gestaltet den Lebensraum ringsum.

Artenvielfalt durch Nutzung — nicht trotz ihr

Ein Großteil dieser Artenvielfalt ist erst durch die jahrhundertelange menschliche Nutzung des Areals entstanden. Zauneidechsen sonnen sich auf den warmen Steinen und Betonmauern des ehemaligen Appellplatzes — Strukturen, die der geschlossene Wald allein nicht liefern könnte. Fledermäuse haben ihre Wochenstuben in den Gebäuden aufgeschlagen: die Breitflügelfledermaus im Dachstuhl des Forsthauses, das Braune Langohr in den Garagen. Magere Wiesen mit Trockenzeigerpflanzen entstanden dort, wo historische Nutzung den Boden verdichtete. Die offene Waldlichtung im Südwesten ist Sekundärstandort — und gerade deshalb wertvoll. Der Mensch hat diesen Lebensraum über Jahrzehnte geprägt. Die Waldbauernschule führt diese Prägung behutsam und naturverträglich fort.

Quelle: Kartierbericht Pflanzen, Biotope, Brutvögel — LPR Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GmbH Dessau-Roßlau, November 2025

Im Einklang mit der Natur

Die Waldbauernschule liegt mitten in einem ökologisch sensiblen Gebiet — das ist Auftrag und Chance zugleich. Die Planungen sichern die natürliche Schönheit und Biodiversität der Dübener Heide durch konkrete Maßnahmen:

  • Keine Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel im gesamten Plangebiet
  • Entwicklung von Stieleichen-Hainbuchenwäldern (Lebensraumtyp 9160) als Zielgesellschaft
  • Erhalt wertvoller Gehölzbestände durch planerische Sicherung
  • Wasserdurchlässige Stellplatzflächen, Versickerung von Niederschlagswasser auf dem Gelände
  • Pflanzenkläranlage statt zentraler Entsorgung — naturverträgliche Lösung für das Abwasser
  • Bauzeiten außerhalb der Brutzeiten