Herbstliches Luftbild des Forsthaus-Ensembles Parnitz in der Dübener Heide

Standort

Campus im Wald

Das historische Forsthaus Parnitz mit Nebengebäuden, Freiflächen und einem eigenen Lehr- und Versuchswald — als Ensemble mitten im Naturpark Dübener Heide.

Mitten in der Dübener Heide

Das Plangebiet liegt zentral in der nördlichen Dübener Heide, ca. 8 km östlich von Gräfenhainichen und 6 km südwestlich von Kemberg — in der Gemarkung Ateritz, Ortsteil der Stadt Kemberg, Sachsen-Anhalt.

Das Gelände umfasst das historische Forsthaus Parnitz mit seinen Nebengebäuden und angrenzenden Waldflächen. Ca. 120 m südlich verläuft der Buchholzbach. Das gesamte Plangebiet befindet sich im Naturpark „Dübener Heide" — kein Nachteil, sondern das entscheidende Argument für den Standort: Praxis und Theorie lassen sich hier im unmittelbaren Waldzusammenhang vermitteln.

Trotz der waldreichen Abgeschiedenheit liegt Parnitz im Einzugsbereich mehrerer Ballungszentren: Halle ca. 60 km und Leipzig ca. 80 km sind mit dem Auto in rund einer Stunde erreichbar; Berlin liegt ca. 120 km entfernt. Mit der Bahn geht es nochmal schneller: Lutherstadt Wittenberg liegt am ICE-Halt der Strecke Berlin–München und ist von Berlin Hbf in gut 40 Minuten erreichbar — von dort verbleiben rund 22 km bis Parnitz.

Adresse

Forsthaus Parnitz
Parnitz 1–3
06901 Kemberg
Sachsen-Anhalt

Koordinaten: 51° 43′ N, 12° 35′ O
51.7169, 12.5878

Naturpark: Dübener Heide / Sachsen-Anhalt

LSG: Dübener Heide (LSG0035WB)

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Besuche des Geländes bitte vorab mit uns abstimmen.

Eine Geschichte, die weitergeht

Das Forsthaus Parnitz ist kein gewöhnlicher Ort. Tief in der Dübener Heide gelegen, blickt es auf eine bewegte Geschichte zurück — und steht heute für einen Neuanfang, der zum Standort und seiner Naturlandschaft passt wie kaum eine andere Nutzung.

Auf dem Areal stehen zwei historische Hauptgebäude: das kleine Forsthaus vorne an der Kreuzung — auch „altes Forsthaus" genannt, seit 1875 amtlich erfasst und seit jeher Wohnhaus des Forstaufsehers — sowie das markante zweigeschossige Jagdhaus (auch „Jagdhaus Rohrberg"), das 1905 vom Reichstagsabgeordneten und Grubenbesitzer Louis Bauermeister als Jagdhaus errichtet wurde und seitdem das Erscheinungsbild des Ensembles prägt; nach dem Verkauf der Deutschen Grube AG ging das Gebäude zwischen 1918 und 1928 an die Familie Dippe aus Bösewig über, in deren Besitz es bis zur Bodenreform 1945/46 blieb. Es ist zugleich das Gebäude, das in den DDR-Jahren als Jugendherberge „Artur Becker" geführt wurde. Weitere Wirtschaftsgebäude kamen in den 1930er Jahren hinzu. 1972 kaufte das Ministerium für Staatssicherheit das Gelände und richtete es als Schulungs- und Ausbildungsobjekt ein, das im Sommer parallel als Pionierferienlager diente — in den 1980er Jahren unter dem Namen „Feliks E. Dzierzynski", benannt nach dem Gründer der sowjetischen Tscheka. Das historische Forsthaus-Ensemble erzählt von dieser langen, wechselvollen Nutzungsgeschichte.

Heute bietet das Areal mit seinen erhaltenen Gebäuden eine nahezu ideale Grundlage für das, was hier entstehen soll: ein Bildungszentrum, das das historische Erbe mit einer zeitgemäßen und naturverträglichen Nutzung verbindet.

14./15. Jh. — Dorf wüst gefallen

Spätmittelalterliche Wüstungswelle: das Dorf Parnitz wird aufgegeben, die Flur bleibt von Nachbargemeinden bewirtschaftet

1555 / 1578 — Wüste Mark Parnitz

Erster schriftlicher Beleg in der Kemberger Kirchenvisitation: Pächterin „Donat Wesin" zinst der Pfarrei 1 viertel Scheffel Korn von der Parnitzer Flur

1875 — Forsthaus Parnitz

Erste amtliche Erwähnung im Wohnplatzverzeichnis des Deutschen Reiches: „Parnitz, Forsthaus (zu Gommlo, Dorf)" mit 1 Wohnhaus und 8 Einwohnern

1905 — Jagdhaus Rohrberg

Errichtung des markanten zweigeschossigen Jagdhauses durch den Grubenbesitzer und Reichstagsabgeordneten Louis Bauermeister (Baujahr belegt durch die Wertermittlung Nodurft 1968); prägt seitdem das Ensemble

ab 1928 — Familie Dippe

Nach der Bauermeister-Ära geht das Anwesen an die Familie Dippe aus Bösewig; bis zur Bodenreform 1945/46 als „Jagdhaus Dippe" bekannt (u. a. Olympia-Trainingslager 1936)

1947–1968 — Jugendherberge

Nutzung als Jugendherberge in der SBZ und frühen DDR, in den 1950er Jahren unter dem Namen „Artur Becker"

1972–1989 — MfS-Nutzung

Kauf durch das MfS 1972; ab 1973 Schulungs- und Ausbildungsobjekt, ab 1975 zugleich Pionierferienlager — in den 1980er Jahren unter dem Namen „Feliks E. Dzierzynski"; in dieser Phase entstehen zahlreiche Neubauten, darunter die heutigen Unterkunftsgebäude

bis 1994 — Schullandheim

Nutzung als Schullandheim und Ausflugsgaststätte nach der Wende; Ende der Nutzung 1994

1994–2001 — Leerstand

Rückgang der Nutzung, Teilleerstand, sukzessiver Substanzverlust der Gesamtanlage

2024 ff. — Neuanfang

Aufstellung des Bebauungsplans „Waldbauernschule Parnitz"; Planverfahren läuft seit Juni 2025

Chronik

Vom mittelalterlichen Wüstungsbeleg über das Forsthaus-Ensemble der frühen 1900er Jahre, die MfS-Nutzung (1972–1989) und die Nachwendezeit bis heute — Dokumente, Fotos und Zeugnisse aus der Geschichte des Ortes.

Zur Chronik

Das Gelände

Waldcampus mit sechs Bereichen

Auf einem Areal von 5,14 Hektar entsteht die Waldbauernschule als Ensemble aus sanierten Bestandsgebäuden, Freiflächen und Waldflächen.

Hauptgebäude & Seminarräume

Das zweigeschossige Unterkunftsgebäude (Baujahr 1977, ca. 490 m²) wird mit mehreren Gästezimmern sowie Seminar-, Sanitär- und Gemeinschaftsräumen zum Herzstück der Waldbauernschule.

Historisches Jagdhaus Rohrberg

Das 1905 errichtete Jagdhaus (ca. 330 m²) soll Büro- und Verwaltungsräume sowie Wohnraum für den Betriebsinhaber aufnehmen — saniert und für die neue Nutzung ertüchtigt werden.

Werkstätten & Garagen

Ein Garagen- und Werkstattkomplex (ca. 240 m²) sowie weitere Nebengebäude stehen für forstliche Werkstattarbeiten, Holzaufbereitung und Lagerung zur Verfügung.

Sägewerk

Eine eigene Anlage zur Holzaufbereitung, -verarbeitung und -lagerung macht die Waldbauernschule zum vollständigen Lernort: vom stehenden Baum bis zum verarbeiteten Holz.

Lehr- und Versuchswald

2,04 Hektar Waldfläche (39 % des Plangebietes) dienen als Lehr- und Versuchswald sowie als Arboretum — die wichtigste Lernfläche für alle forstwirtschaftlichen Kurse.

Grünflächen & Freiflächen

0,51 Hektar private Grünflächen (10 % des Plangebietes) mit Schulungs- und Freizeitbereich, Obstwiese und Biwakplatz — für Veranstaltungen im Freien, Zelten und waldpädagogische Programme.

Luftbild des Campus der Waldbauernschule Parnitz — Gebäudeensemble eingebettet in die Dübener Heide

Flächenbilanz des Plangebietes

Sondergebiete SO 1–9 Gebäude, Wege, Stellplätze — fast ausschließlich bestehender, bereits versiegelter Bestand · 50 %
2,52 ha
Flächen für Wald Lehr- und Versuchswald, Erlebniswald, Waldrandflächen · 39 %
2,04 ha
Private Grünflächen Wiesen, Obstgarten, Biwak · 10 %
0,51 ha
Versorgungsanlagen Pflanzenkläranlage, Elektrizität · 1 %
0,07 ha

Der Naturraum Dübener Heide

~770 km²

Naturpark Dübener Heide

Eines der größten zusammenhängenden Mischwaldgebiete Mitteldeutschlands — Vorranggebiet für Forstwirtschaft und ökologischen Verbund.

Naturpark

Dübener Heide / Sachsen-Anhalt

Schutzgebiet mit besonderer Bedeutung für Erholung, Biodiversität und naturnahe Waldbewirtschaftung. Heimat von Stieleichen-Hainbuchenwäldern (LRT 9160).

Buchholzbach

Gewässer direkt am Gelände

Ca. 120 m südlich des Forsthauses verläuft der Buchholzbach — Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt am Rand des Plangebiets. Mehrere aktive Biberstaue prägen den Bachlauf; der kleine Teich südlich des Geländes fällt dadurch fast durchgängig trocken — geblieben ist eine Senke mit sumpfigen Reststellen und Schilf. Genau dort steht seit September 2026 unsere Pflanzenkläranlage.

Artenvielfalt auf dem Gelände

Eine gutachterliche Kartierung aus dem Jahr 2025 hat die Artenvielfalt des Geländes systematisch erfasst. Das Ergebnis bestätigt: Forsthaus Parnitz ist nicht nur ein historischer Ort — es ist ein lebendiger Lebensraum für viele wildlebende Tier- und Pflanzenarten mitten in der Dübener Heide.

Braunes Langohr in einer Fensterrahmen-Nische am Forsthaus Parnitz — Detailaufnahme, Fell und Flügel gut erkennbar

Zwei Fledermaus-Wochenstuben

Im Dachstuhl des historischen Forsthauses befindet sich eine Wochenstube der Breitflügelfledermaus. In den Garagen wurde ein Quartier des Braunen Langohrs mit sieben Weibchen und ihren Jungtieren nachgewiesen. Beide Arten ziehen ihre Jungen hier auf — ein bemerkenswert konkreter Fund direkt in den Gebäuden.

Alte Eiche mit grob strukturierter Rinde am Forsthaus Parnitz; weitere Eichen unscharf im Hintergrund

EU-geschützte Waldtypen

Die Wälder des Geländes umfassen zwei europaweit geschützte Lebensraumtypen: den Stieleichen-Hainbuchenwald (LRT 9160) und alte bodensaure Eichenwälder auf Sandböden (LRT 9190) — beide von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung.

Blaumeise auf einer Steinmauer am Forsthaus Parnitz, Seitenansicht

19 Brutvogelarten

Rotkehlchen, Zaunkönig, Kleiber, Waldlaubsänger und Stieglitz brüten auf dem Gelände — ebenso wie der bundesweit gefährdete Star und der auf der Vorwarnliste stehende Grauschnäpper. Die Waldbauernschule liegt mitten in einem aktiven Vogellebensraum.

Ringelnatter mit gelbem Halbmond hinter dem Kopf im trockenen Gras — nachgewiesen am Forsthaus

Reptilien & Nachbarn

Zauneidechse, Waldeidechse, Blindschleiche und Ringelnatter wurden auf dem Gelände nachgewiesen. Am nahe gelegenen Buchholzbach ist zudem ein Biber aktiv — er staut das Wasser und gestaltet den Lebensraum ringsum.

Erdkröte auf dem Pflaster am Forsthaus, frontal fotografiert

Amphibien im Umfeld

Erdkröten, Grasfrösche und Molche gehören zum festen Amphibienbestand am Standort — sie sind gleichzeitig Hauptnahrung der Ringelnatter. Sichtstellen sind vor allem die feuchten Ränder des Geländes und die sumpfigen Senken entlang des Buchholzbachs.

Hauhechel-Bläuling auf einer Kornblume am Forsthaus Parnitz

Schmetterlinge & Heuschrecken

27 Schmetterlings- und 16 Heuschreckenarten kartiert, darunter sieben Rote-Liste-Arten wie Kleiner Schillerfalter, Großer Fuchs, Braunbindiger Zimmerbock und Blauflügelige Ödlandschrecke. Die Saumstrukturen des Geländes tragen den Reichtum.

Artenvielfalt durch Nutzung — nicht trotz ihr

Ein Großteil dieser Artenvielfalt ist erst durch die jahrhundertelange menschliche Nutzung des Areals entstanden. Zauneidechsen sonnen sich auf den warmen Steinen und Betonmauern des ehemaligen Appellplatzes — Strukturen, die der geschlossene Wald allein nicht liefern könnte. Fledermäuse haben ihre Wochenstuben in den Gebäuden aufgeschlagen: die Breitflügelfledermaus im Dachstuhl des Forsthauses, das Braune Langohr in den Garagen. Magere Wiesen mit Trockenzeigerpflanzen entstanden dort, wo historische Nutzung den Boden verdichtete. Die offene Waldlichtung im Südwesten ist Sekundärstandort — und gerade deshalb wertvoll. Der Mensch hat diesen Lebensraum über Jahrzehnte geprägt. Die Waldbauernschule führt diese Prägung behutsam und naturverträglich fort.

Quelle: Kartierbericht Pflanzen, Biotope, Brutvögel — LPR Landschaftsplanung Dr. Reichhoff GmbH Dessau-Roßlau, November 2025

Im Einklang mit der Natur

Die Waldbauernschule liegt mitten in einem ökologisch sensiblen Gebiet — das ist Auftrag und Chance zugleich. Die Planungen sichern die natürliche Schönheit und Biodiversität der Dübener Heide durch konkrete Maßnahmen:

  • Keine Düngemittel oder Pflanzenschutzmittel im gesamten Plangebiet
  • Entwicklung von Stieleichen-Hainbuchenwäldern (Lebensraumtyp 9160) als Zielgesellschaft
  • Erhalt wertvoller Gehölzbestände durch planerische Sicherung
  • Wasserdurchlässige Stellplatzflächen, Versickerung von Niederschlagswasser auf dem Gelände
  • Pflanzenkläranlage statt zentraler Entsorgung — naturverträgliche Lösung für das Abwasser
  • Bauzeiten außerhalb der Brutzeiten

Anreise

Mit dem Auto

Von der B 2 (Lutherstadt Wittenberg – Bad Düben – Leipzig) bei Oppin auf die K 2119 abbiegen (ausgeschildert: Radis / Ochsenkopf / Königsee). Ca. 1.200 m westlich von Oppin zweigt ein Waldweg nach Süden ab (rote Wegweiser „Parnitz"). Nach ca. 450 m rechts halten auf einen Weg Richtung Südwesten, nach ca. 1.000 m erreicht man das Forsthaus Parnitz.

Von der B 100 (Gräfenhainichen – Lutherstadt Wittenberg) in Radis auf die Ochsenkopfstraße (K 2119) Richtung Ochsenkopf abbiegen, dann hinter dem Ochsenkopf den roten Wegweisern „Parnitz" folgen.

Der Waldweg ist unbefestigt. PKW-Stellplätze vorhanden.

Detaillierte Anfahrtsbeschreibung

Mit der Bahn + Fahrrad

S-Bahnhaltepunkt Radis — ca. 8 km, in ca. 30 Minuten per Fahrrad oder E-Bike erreichbar. Die Dübener Heide ist ein ausgewiesenes Fahrradgebiet.

  • Ab Leipzig: S2 (City-Tunnel → Leipzig Hbf → Bitterfeld → Radis → Wittenberg) — ca. alle 2 Stunden direkt
  • Ab Halle: S8 (Halle Hbf → Bitterfeld → Radis → Wittenberg) — ca. alle 2 Stunden direkt
  • Ab Wittenberg: S2 oder S8 — wenige Stationen, ca. 15 Min.

S2 und S8 fahren ab Bitterfeld abwechselnd Richtung Wittenberg — zusammen ca. stündlich. ICE-Halt Lutherstadt Wittenberg (Berlin–München): 22 km, 20 Min. per PKW.

Mit dem Wohnmobil

Auf dem Gelände der Waldbauernschule sind bis zu 5 Wohnmobilstellplätze geplant. Das Forsthaus Parnitz kann so auch als Ausgangspunkt für Touren durch die Dübener Heide genutzt werden.

Reservierung nach Eröffnung über die Waldbauernschule.

Hinweis: Das Plangebiet wird nicht durch öffentlichen Personennahverkehr angefahren. Die Anreise mit eigenem PKW oder Fahrrad wird empfohlen. Die Zufahrt erfolgt über einen unbefestigten Waldweg.