Der Standort Waldbauernschule Parnitz liegt mitten in der Dübener Heide, ohne öffentliche Wasser- und Abwasserinfrastruktur. Für das gesamte Gelände organisieren wir den Wasserkreislauf selbst — vom Trinkwasser bis zur Rückführung ins Grundwasser. Der Bebauungsplan setzt genau diesen Ansatz fest: dezentral, naturnah, sichtbar.
Brauchwasser aus dem eigenen Brunnen
Der Standort wird derzeit über den Bestandsbrunnen versorgt. Das Wasser erfüllt nicht die Trinkwasserqualität und wird deshalb ausschließlich als Brauchwasser genutzt. Der Bestandsbrunnen wird durch einen neu zu bohrenden Brunnen ersetzt — die wasserrechtliche Erlaubnis dafür hat der Landkreis Wittenberg am 20. Juli 2026 erteilt. Auch der neue Brunnen liefert zunächst Brauchwasser; für Trinkwasserqualität wird künftig eine Wasseraufbereitungsanlage ergänzt.
Regenwasser bleibt auf der Fläche
Regenwasser wird nicht in eine Kanalisation abgeleitet, sondern auf dem eigenen Grundstück versickert und zurückgehalten. Das ist im Bebauungsplan als naturschutzrechtliche Festsetzung verankert und sinnvoll: In einer Region, deren Grundwasserstand tendenziell sinkt, jedes zurückgehaltene Liter Wasser dem Standort zugute kommt — und den umliegenden Waldflächen.
Konkret heißt das: keine versiegelten Ableitungen, sondern Rasenmulden, durchlässige Beläge auf Wegen und Stellplätzen, gezielte Versickerungsflächen. Die Umsetzung wird im Zuge der Baumaßnahmen konkretisiert.
Abwasser — schrittweiser Aufbau in zwei Etappen
Bei Übernahme des Standorts fanden wir eine marode Abwasseranlage aus DDR-Zeit vor — nicht mehr betriebssicher und weder ökologisch noch rechtlich haltbar. Ein Ersatz musste kommen, aber in einem Schritt sofort auf eine vollständige Pflanzenkläranlage umzusteigen war weder finanziell noch planerisch sinnvoll. Wir haben den Umbau deshalb in zwei Etappen gegliedert:
Die wasserbehördliche Erlaubnis des Landkreises Wittenberg vom 25. Januar 2024 deckt beide Etappen als ein einheitliches Anlagen-Konzept ab — Pflanzenkläranlage mit vorgeschalteter Mehrkammergrube, Ableitung des gereinigten Wassers über eine Sickermulde ins Grundwasser.
Etappe 1 (2024): Mehrkammergrube in Alleinbetrieb. Als schneller Ersatz für die alte Anlage haben wir zunächst die Mehrkammergrube errichtet. Alles häusliche Abwasser läuft dort hinein; solange das Pflanzenbeet noch nicht angeschlossen ist, wird das Klarwasser per Tank-LKW abgeholt und in einer öffentlichen Kläranlage außerhalb aufbereitet. Betriebssicher und rechtlich sauber, aber aufwändig: jede Abfuhr bedeutet einen Lkw-Weg über den Waldweg und Verbrauch von Fremdenergie.
Etappe 2 (September 2026): Pflanzenklärbeet. Die eigentliche Ziellösung — das nachgeschaltete Filterbeet, in dem die biologische Reinigung stattfindet. Zwischen Erlaubnis und Umsetzung lagen anderthalb Jahre Planung; im September 2026 wurde gebaut.
Mit dem Anschluss des Pflanzenklärbeets ändert sich der Wasserweg grundlegend — die Mehrkammergrube läuft dann als eigentliche Vorklärstufe in ihrer ursprünglich vorgesehenen Rolle:
- Vorklärung in der Mehrkammergrube — feste Bestandteile setzen sich als Schlamm am Grund ab, das Klarwasser läuft oben ab.
- Biologische Reinigung im Pflanzenklärbeet — Schilf und Rohrkolben oben, im Wurzelraum die eigentliche Reinigungsarbeit durch Mikroorganismen.
- Versickerung ins Grundwasser — das gereinigte Wasser verbleibt am Standort, statt weggefahren zu werden.
Die Pflanzenkläranlage steht im südlichen Zipfel des Plangebiets, gut sichtbar und begehbar — ein bewusst gewähltes gestalterisches Element.
Der Bau im September 2026
Das Filterbeet entstand in drei sichtbaren Schritten: Aushub, Abdichtung, Filterkörper.


Planung und Ausführung: Dirk Fiedler, Bad Belzig
Die gesamte Planung und Ausführung der Pflanzenkläranlage lag bei Dirk Fiedler aus Bad Belzig und seinem Team. Von der wasserbehördlichen Antragsplanung über die Detailkonstruktion des Filterkörpers bis zur eigentlichen Baumaßnahme im September 2026 hat Fiedler den Prozess mit viel Kompetenz und Ruhe begleitet — genau das, was man für so ein technisch und rechtlich anspruchsvolles Vorhaben braucht. Wir waren mit der Arbeit und der Zusammenarbeit sehr zufrieden und können sein Büro bei ähnlichen Vorhaben (dezentrale Kläranlagen, Wasserhaushalt im ländlichen Raum) uneingeschränkt weiterempfehlen.
Wie eine Pflanzenkläranlage funktioniert
Eine Pflanzenkläranlage (auch: Pflanzenklärbeet, Retentionsbodenfilter) reinigt Abwasser ohne chemische Zusätze und mit sehr geringem Energieaufwand. Das Abwasser durchläuft nach der mechanischen Vorklärung ein oder mehrere bepflanzte Filterbeete — bewachsen typischerweise mit Schilfrohr (Phragmites australis) und Rohrkolben (Typha latifolia).
Die Reinigung leisten dabei nicht die Pflanzen selbst, sondern die Mikroorganismen im Wurzelraum. Die Pflanzen sorgen für Sauerstoffeintrag in das sonst wassergesättigte Substrat und halten die Poren des Filterkörpers offen. Über mehrere Wochen Verweilzeit werden organische Substanz, Nährstoffe und Keime abgebaut. Das gereinigte Wasser versickert am Ende in den Untergrund und speist damit lokal den Grundwasserkörper.
Vorteile gegenüber einer klassischen Kläranlage:
- Wartungsarm — kein tägliches Umschichten von Klärschlamm, keine feinen mechanischen Komponenten
- Energieeffizient — läuft im Wesentlichen mit Schwerkraft, sehr geringer Strombedarf
- Robust gegen Lastspitzen — der große Filterkörper puffert Schwankungen
- Landschaftlich integriert — sieht aus wie ein Feuchtbiotop, nicht wie eine Industrieanlage
- Bildungsfläche — der Reinigungsprozess ist an einer offenen Pflanzenkläranlage in seinen Grundzügen begreifbar
Warum die Anlage zum Konzept gehört
Dezentrale, naturnahe Wasser- und Abwasserinfrastruktur ist für abgelegene Waldstandorte oft die einzige realistische Option — der Anschluss an eine öffentliche Kanalisation wäre über Kilometer nicht wirtschaftlich. Für die Waldbauernschule bedeutet das Konzept aber mehr als eine technische Notwendigkeit:
- Kursinhalte zum Anfassen — Wasserhaushalt, Ökotechnik und praktischer Naturschutz lassen sich am eigenen Standort demonstrieren, nicht nur abstrakt erklären.
- Übertragbares Modell — kleine Forsthaus- und Waldstandorte anderswo stehen vor derselben Frage. Was in Parnitz funktioniert, ist ein konkretes Beispiel.
- Wasserkreislauf sichtbar — Brunnen, Verbrauch, Reinigung, Versickerung — der komplette Weg des Wassers ist am Standort räumlich nachvollziehbar. Das ist selten geworden.
Die Pflanzenkläranlage ist damit weniger ein Nebengewerk als ein Kern-Baustein des Konzepts — und für alle sichtbar, wenn sie den südlichen Rand des Geländes durchqueren.