Zauneidechse (Weibchen) im Profil auf steinigem Untergrund am Forsthaus Parnitz — braun-schwarz gemustert, dichtes Schuppenkleid, wacher Blick

Naturschutz

Die Zauneidechse am Forsthaus

Zauneidechsen leben am Forsthaus Parnitz — und zeigen, wie wichtig sandige, sonnige Böden im Umfeld der Gebäude sind. Warum diese streng geschützte Art auf halboffene Bereiche angewiesen ist und was das für die Pflege des Standorts bedeutet.

Am Forsthaus Parnitz lebt eine der auffälligsten heimischen Reptilienarten unauffällig zwischen Mauern, Steinen und offenen Sandflächen: die Zauneidechse (Lacerta agilis). Sie ist nach der Ringelnatter das zweite Reptil, das den Standort dauerhaft nutzt — und wie diese ein Anzeiger dafür, dass hier nicht nur der geschlossene Wald zählt, sondern gerade die Übergänge, Ränder und offenen Böden im Umfeld der Gebäude.

Ein sonnenliebendes Reptil

Die Zauneidechse ist die häufigste heimische Eidechsenart und zugleich eine der anspruchsvollsten in Bezug auf ihren Lebensraum. Sie braucht ein enges Nebeneinander verschiedener Strukturen:

  • Sandige, grabfähige Böden für die Eiablage — Weibchen legen ihre Eier 5 bis 10 cm tief in warmen Sand, aus dem sie sich durch Sonneneinstrahlung ausbrüten lassen
  • Offene, besonnte Flächen als Sonnplätze für die Thermoregulation — Reptilien sind wechselwarm und müssen sich morgens aktiv aufwärmen
  • Deckungsstrukturen wie Steinhaufen, Totholz, dichte Krautschicht oder Mauern für die schnelle Flucht bei Gefahr
  • Ungestörte Winterquartiere — Erdlöcher, Mauerspalten oder tiefreichende Wurzelgänge unter der Frostgrenze

Genau diese Kombination bietet das Gelände: sandige Böden aus den kiefernbestockten Flächen der Dübener Heide, sonnige Kanten an Wegen und Gebäudefundamenten, alte Trockenmauerreste und Steinhaufen als Verstecke — und der umgebende Wald als klimatischer Puffer.

Weibchen: die häufig gesehene Färbung

Die meisten Bildbelege am Forsthaus zeigen Weibchen in der typischen Grundfärbung: braune bis graubraune Oberseite mit dunklen, oft unregelmäßigen Flecken und einem helleren, punktförmigen Muster entlang der Flanken. Männchen tragen zur Paarungszeit im Frühjahr auffällig grüne Flanken — sind aber in unseren aktuellen Fotos nicht dokumentiert.

Zauneidechse (Weibchen) auf einer besonnten Steinfläche mit Flechten, seitlich fotografiert — kompletter Körperbau mit Schwanz sichtbar

Jungtier auf Fels

Neben adulten Weibchen findet sich am Standort auch Nachwuchs — ein deutliches Zeichen, dass die Zauneidechsen hier nicht nur durchziehen, sondern sich fortpflanzen. Jungtiere sind schlanker, oft heller in der Grundfärbung und tragen ein weniger ausgeprägtes Fleckenmuster. Der Schwanz ist im Verhältnis zum Körper besonders lang.

Junge Zauneidechse auf einem großen Feldstein, in Aufsicht fotografiert — Körper und langer Schwanz gut erkennbar, helle Grundfärbung mit dezenter Fleckung

Rechtlicher Status

Die Zauneidechse ist eine der bekanntesten Arten des strengen europäischen Artenschutzes:

  • Anhang IV der FFH-Richtlinie — die Art ist EU-weit streng geschützt
  • § 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatSchG — streng geschützt nach deutschem Bundesnaturschutzgesetz
  • Rote Liste Sachsen-Anhalt: 3 (gefährdet)

Konkret heißt das: Es ist verboten, Zauneidechsen zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen. Bei Baumaßnahmen im Lebensraum sind ihre Belange durch die untere Naturschutzbehörde zu prüfen.

Was das für die Pflege des Standorts bedeutet

Der Erhalt der Zauneidechsenpopulation ist an konkrete Pflegemaßnahmen gebunden — nicht durch „unberührt lassen”, sondern durch gezielte Offenhaltung von Teilflächen:

  • Sandige Bereiche nicht durch Aufwuchs oder Rekultivierung schließen
  • Steinhaufen, Totholz und Trockenmauern erhalten oder gezielt anlegen
  • Mahd stark selektiv, nicht flächig; Randstreifen und Böschungen stehenlassen
  • Keine großflächige Verwendung von Insektiziden — auch die Beute (Grillen, Käfer, Spinnen) muss vorhanden sein

Für die geplante Waldbauernschule bedeutet das: nicht der schließende Wald allein trägt die Artenvielfalt am Standort. Die halboffenen Zonen — sonnige Wege, sandige Kanten, Steinhaufen zwischen den Gebäuden — sind es, die die eigentliche Vielfalt tragen. Wer diese Strukturen erhält, erhält auch die Zauneidechse.

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